Unsere Motivation zur Gründung von AnBUS e.V. (1995)

Als Rachel Carson 1962 The Silent Spring veröffentlichte, veränderte sie den Blick auf Umwelt und Gesundheit grundlegend: Nicht das Offensichtliche war die größte Gefahr, sondern das Unsichtbare – chemische Belastungen, die sich schleichend ausbreiten, in der Umwelt anreichern und langfristig wirken. Carsons Botschaft war ein Weckruf: Umweltgifte sind kein Randthema, sie betreffen die Lebensgrundlagen – und damit jeden Menschen.

Dennoch wurden gerade in den 1960er Jahren bis weit in die 1990er hinein zahlreiche problematische Stoffe in Gebäuden eingesetzt – darunter Polychlorierte Biphenyle (PCB), Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol (PCP) sowie Asbest. Gleichzeitig rückte zunehmend die Erkenntnis in den Vordergrund, dass viele relevante Belastungen nicht nur „draußen“ entstehen, sondern mitten in unserem Alltag. Menschen verbringen den größten Teil ihres Lebens in Innenräumen – in Wohnungen, Kindergärten, Schulen und Büros. Genau dort können Schadstoffe aus Bauprodukten, Einrichtungsgegenständen, Farben, Klebern, Reinigungsmitteln oder technischen Anlagen die Luftqualität beeinträchtigen. Solche Belastungen bleiben oft lange unbemerkt: weil sie geruchlos sind, weil Symptome unspezifisch wirken oder weil Ursachen schwer zuzuordnen sind.

Erst Ende der 1980er Jahre begann eine schrittweise Regulierung und Einschränkung besonders problematischer Stoffe. Dieses politische und fachliche Umdenken war wichtig – zugleich entstand daraus ein neues, sehr praktisches Problem: Selbst wenn die Anwendungen dieser Schadstoffe eingeschränkt oder verboten wurden, blieb die Belastung im Gebäudebestand vielerorts weiterhin vorhanden. Plötzlich standen Eigentümer, Kommunen, Schulen, Betriebe und betroffene Familien vor Fragen wie:

  • Was ist verbaut worden – und wo?
  • Welche Messungen sind geeignet, um Innenraumbelastungen zuverlässig zu erkennen?
  • Wie lässt sich die „übliche ubiquitäre Hintergrundbelastung“ von konkreten Belastungssituationen mit Schadstoffen unterscheiden?
  • Wie sind Messergebnisse gesundheitlich zu bewerten?
  • Welche Sanierungsmaßnahmen sind wirksam – und welche verursachen neue Probleme?
  • Wie kann ich den Erfolg einer Sanierung überprüfen?
  • Wie kommuniziert man Risiken transparent, ohne zu verharmlosen oder unnötig zu alarmieren?

Aus dieser Entwicklung heraus entstand 1995 die Motivation zur Gründung des Vereins Analyse und Bewertung von Umweltschadstoffen (AnBUS) e.V.: Wir wollten einen unabhängigen, fachlich fundierten Beitrag für die Gesellschaft leisten, um Innenraumschadstoffe sichtbar zu machen, Risiken verständlich zu bewerten und praktikable Lösungen zu entwickeln.

Die Gründungsmitglieder kamen aus Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie aus den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften. Unser Ziel war und ist es, den Schutz der Gesundheit nicht dem Zufall zu überlassen, sondern ihn durch Aufklärung, Wissenschaft und Prävention zu stärken – gerade dort, wo Menschen sich sicher fühlen sollten: in ihren Innenräumen.

In der Tradition von Rachel Carson bedeutet das für uns bis heute:

  • frühzeitig hinzusehen, Zusammenhänge ernst zu nehmen und konsequent zu handeln, bevor aus leisen Warnzeichen große Schäden werden,
  • das Unsichtbare sichtbar machen (z. B. durch fundierte Analytik und Bewertung),
  • Risiken verständlich und verantwortungsvoll bewerten,
  • und Lösungen fördern, die gesundheitlich wirksam, praktikabel und nachhaltig sind.

Denn Innenräume sind keine Nebensache – sie sind Lebensräume. Und genau dort beginnt Gesundheitsschutz.